Erfahrungsbericht einer Seniorin

Wer einmal eine Reise tut

Zum 70.Geburtstag fuhren mein Mann und ich nach Hamburg, in die Stadt unserer Träume. Unsere Kinder hatten uns die Reise geschenkt, sie hatten vier Nächte im Lindner Hotel unmittelbar am Langen Michel in Hamburg in einem Doppelzimmer gebucht. Von dort sollte es nicht weit zur U-Bahn sein, mit der wir die Stadt eigenständig erkunden wollten.

Anreise nach Hamburg

Nach vielen Ehejahren war dies erst unsere zweite Reise. Zuvor waren wir für eine Woche nach Bayern an den Chiemsee gefahren und hatten dort in einer kleinen Pension übernachtet. Nach Hamburg aber war der Weg etwas länger, da wir aus Südwestdeutschland kamen. Wir benötigten fast sieben Stunden und mussten an drei Rastplätzen halten. Uns fiel auf, dass die sanitären Anlagen durchweg in Ordnung waren, aber mit 70 Cent doch etwas teuer. Für Senioren schlecht waren sanitäre Anlagen, die sich nicht im Erdgeschoss, sondern im Obergeschoss befanden. Die Küche war solide, große Ansprüche sollte kein Reisender stellen. Neben den professionellen Raststellen gab es auch einfache Parkplatzbuchten mit Toilette, die umsonst genutzt werden konnten. Diese waren durchweg in einem erbärmlichen Zustand. Nur in Notfällen sollte man dort die Toilette aufsuchen.

Unterwegs in Hamburg

In Hamburg fuhren wir unseren Wagen in die Tiefgarage. Für 40€ war dies ein stolzer Preis, aber immerhin waren wir so unabhängig und konnten auch Ausflüge mit dem Auto in weiter entfernte Stadtteile unternehmen (z.B. Blankenese). Das Hotel war sauber und gepflegt, das Personal freundlich, das Frühstück wollten wir in Szenecafés in St.Georg einnehmen. Nur 500m entfernt lag die U-Bahn. Wir waren zum ersten Mal damit unterwegs und fanden es schwierig, die für uns beste Karte zu lösen. Da wir vier Tage in Hamburg blieben, entschieden wir uns gegen das Lösen von Einzelfahrscheinen. Für Senioren ist das Bedienen eines Automaten schwierig. Drückt man nicht schnell genug die verschiedenen Tasten, springt alles wieder in den Ausgangszustand zurück und alles beginnt von vorne. Personal ist nur sporadisch da und nicht immer freundlich. Am besten frägt man andere Reisende, sie helfen gerne weiter. Wir fuhren zum ersten Mal U-Bahn und brauchten einige Zeit, die Pläne richtig zu lesen. Wo mussten wir einsteigen, in welche Linie, in welche Richtung fahren, wo wieder aus-oder umsteigen. Das alles gelang nicht ohne die Hilfe anderer Reisender, die meisten waren Hamburger. Etwas unangenehm fanden wir auch manchen U-Bahnhof zu später Stunde. Insgesamt aber fühlten wir uns als Senioren recht sicher und gelangten schnell an unsere Ziele.

Was tun in Hamburg?

Unsere Kinder hatten uns Karten für eine Vorstellung im Ohnsorg-Theater geschenkt. Der Abend dort war eine wahre Freude. Die Schauspieler sprachen zwar Dialekt, aber der war wohl „bereinigt“, so dass wir alles problemlos verstanden. Gerade für Senioren ist dies die bessere Alternative zu Musicals wie „Tarzan“ oder „Der König der Löwen“. Die Rathausführung fanden wir gleichfalls sehr angenehm, wir verstanden alles problemlos, nur ab und an hätte unser Führer etwas langsamer gehen können. Mit jungen Menschen Schritt zu halten, ist halt nicht mehr möglich. Bei den Restaurants suchten wir uns ein echtes Hamburger Original mit dem „Aal Speicher“ aus. Dort fühlten wir uns sehr wohl, viele andere Senioren aßen dort ebenfalls. Nichts war hektisch, alles ging seinen ruhigen Gang – eine echte Sensation! Eine andere Sensation war der Besuch eines Schwulencafés in St.Georg. Obwohl viele jüngere Menschen dort frühstückten, fühlten wir uns pudelwohl, weil uns die Bedienung und auch die anderen Gäste nicht als Senioren, sondern als Gäste sahen, die sich hier gerne verwöhnen ließen.

Fazit

Insgesamt lässt sich Hamburg für Senioren gut bereisen. Verbessern würden wir die Ausschilderungen an den U-Bahnhöfen, die U-Bahnkarte und unterwegs die Toilettenanlagen. Nicht verbessern würden wir die Freundlichkeit der Menschen, sie war in jedem Fall eine Reise wert.